Agentic AI in Unternehmen: Strategien gegen das Scheitern von KI-Projekten

Künstliche Intelligenz hat sich in der Unternehmenslandschaft von einer bloßen Vision zu einem operativen Werkzeug entwickelt. Besonders die sogenannten Agentic AI-Systeme – KI-Agenten, die autonom Aufgaben planen und ausführen – stehen im Fokus mittelständischer Innovationsstrategien. Doch während das Potenzial zur Effizienzsteigerung enorm ist, zeigen aktuelle Analysen von Marktführern wie Palo Alto Networks und Gartner eine ernüchternde Realität: Viele Projekte drohen zu scheitern oder schaffen unkalkulierbare Sicherheitsrisiken. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist es daher entscheidend, die Fallstricke bei der Implementierung frühzeitig zu identifizieren und durch eine strukturierte Governance zu ersetzen.

Die Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität bei KI-Agenten 📈

Der Markt für agentenbasierte KI skaliert mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit. Führungskräfte weltweit prognostizierten für das Jahr 2025 einen achtfachen Anstieg KI-gestützter Abläufe. Laut einer Studie von IBM versprechen sich rund 69 % der Entscheider vor allem qualitativ bessere Entscheidungen durch den Einsatz autonomer Agenten. Diese Systeme agieren nicht mehr nur als rein reaktive Chatbots, sondern greifen aktiv in Geschäftsprozesse ein, analysieren Datenbestände in der Cloud und interagieren mit SaaS-Umgebungen.

Trotz dieser Euphorie stellt Palo Alto Networks fest, dass in drei von vier laufenden Projekten erhebliche Sicherheitsprobleme auftreten. Das Risiko liegt dabei selten im technischen Code der KI selbst begründet. Vielmehr ist es die fehlende strategische Steuerung, die Unternehmen verwundbar macht. Ohne klare Leitplanken entwickeln sich KI-Initiativen oft zu unkontrollierten Schattenprojekten, die weder Compliance-Anforderungen erfüllen noch einen messbaren Return on Investment (ROI) liefern.

Fehlende Zieldefinition als primärer Bremsklotz 💡

Ein zentraler Grund für das Scheitern von KI-Agenten in der Praxis ist der technologiegetriebene Ansatz. Oft werden Projekte gestartet, weil die technologische Machbarkeit im Vordergrund steht, während betriebswirtschaftliche Ziele in den Hintergrund rücken. Wenn messbare Geschäftsziele, klare Risikogrenzen und Benchmarks fehlen, entsteht ein sogenannter „Outcome-Drift“. Das bedeutet, dass die KI-Agenten zwar Aufgaben ausführen, diese aber nicht zwangsläufig zum Unternehmenserfolg beitragen oder im schlimmsten Fall sogar kontraproduktiv wirken.

Gartner prognostiziert, dass bis zum Jahr 2027 etwa 40 % der KI-Vorhaben aufgrund fehlender Zielvorgaben abgebrochen werden. Für KMU empfiehlt sich daher ein „rückwärts gedachter“ Ansatz:

  • Festlegung von maximal zwei bis drei priorisierten Zielen durch die Geschäftsführung.
  • Ausrichtung der IT-Architektur und der Kontrollmechanismen an diesen spezifischen Zielen.
  • Sicherstellung, dass jede Aktion des Agenten einer autorisierten Identität und einem dokumentierten Zweck zuordenbar ist.

Überprivilegierte Agenten als Sicherheitsrisiko 🛡️

In vielen Testumgebungen und frühen Rollouts erhalten KI-Agenten weitgehende Berechtigungen, um Reibungsverluste bei der Entwicklung zu vermeiden. Was in der Theorie die Arbeit beschleunigt, ist in der Praxis ein massives Sicherheitsrisiko. Überprivilegierte Agenten, die über Vollzugriff oder nur schwach überwachte Rechte verfügen, vergrößern die Angriffsfläche für Cyberkriminelle erheblich.

Ein moderner Sicherheitsansatz für Agentic AI muss zwingend den Zero-Trust-Prinzipien folgen. Das bedeutet:

  1. Identitätstrennung: Agenten müssen als eigenständige Identitäten behandelt werden, genau wie menschliche Mitarbeiter.
  2. Least-Privilege-Prinzip: Ein Agent erhält nur die minimal notwendigen Rechte, die für seine spezifische Aufgabe zwingend erforderlich sind.
  3. Kurzlebige Anmeldedaten: Der Einsatz von zeitlich begrenzten Zugangsdaten minimiert das Zeitfenster für potenziellen Missbrauch.
  4. Vier-Augen-Prinzip: Kritische Aktionen, insbesondere solche mit irreversiblen Folgen für das Unternehmen, müssen zwingend durch eine menschliche Freigabe autorisiert werden.

Die Notwendigkeit einer funktionsübergreifenden Governance 📊

Ein häufiger Fehler besteht darin, die Implementierung von KI-Agenten als reines IT-Projekt zu betrachten. Da diese Systeme jedoch tief in die Geschäftsprozesse eingreifen und mit sensiblen Daten hantieren, müssen auch die Abteilungen Recht, Compliance und Risikomanagement von Beginn an involviert sein. Fehlt diese Integration, entstehen Governance-Lücken, die zu rechtlichen Verstößen oder unklaren Verantwortlichkeiten führen.

Die Etablierung eines funktionsübergreifenden „Governance Councils“ ist für Unternehmen jeder Größe ratsam. Dieses Gremium sollte die Aufgabe haben, verbindliche Standards zu definieren und ein zentrales Register für alle im Unternehmen eingesetzten Agenten zu führen. In diesem Register wird dokumentiert, welcher Agent auf welche Daten zugreift und wer die fachliche sowie technische Verantwortung trägt. Vor dem produktiven Einsatz (Go-Live) sind zudem realistische Stresstests und Szenario-Analysen unverzichtbar, um das Verhalten der KI unter Last oder bei fehlerhaften Eingaben zu prüfen.

Akzeptanz und Vertrauen durch Transparenz schaffen 🚀

Neben den technischen und regulatorischen Hürden spielt die menschliche Komponente eine entscheidende Rolle. Der „Customer Identity Trends Report 2025“ von Okta verdeutlicht eine bestehende Skepsis gegenüber autonomen KI-Systemen. Besonders in Deutschland ist das Vertrauen in die Entscheidungsbefugnis von Maschinen noch nicht vollständig ausgeprägt.

Unternehmen können diese Skepsis abbauen, indem sie Transparenz schaffen. Wenn Mitarbeiter und Kunden verstehen, nach welchen Regeln ein KI-Agent agiert und dass jede kritische Entscheidung am Ende durch einen Menschen validiert wird, steigt die Akzeptanz. Transparenz ist hierbei kein Selbstzweck, sondern die Basis für eine erfolgreiche digitale Transformation.

Maßnahmenkatalog für den sicheren Einsatz von KI-Agenten 💡

Um den Erfolg von Agentic AI sicherzustellen, sollten Unternehmen folgende Schritte in ihre Strategie integrieren:

BereichMaßnahmeZielsetzung
GovernanceEtablierung eines zentralen Agenten-RegistersVolle Sichtbarkeit aller KI-Aktivitäten
StrategieDefinition messbarer Use-Case-ZieleVermeidung von Budgetverschwendung
SecurityDurchsetzung von Least-Privilege & MonitoringMinimierung der Angriffsfläche
ProzesseMenschliche Freigabe für kritische VorgängeRisikokontrolle bei Fehlentscheidungen

Die kontinuierliche Überwachung der Agenten-Aktionen und die regelmäßige Erneuerung von Berechtigungen sind dabei keine optionalen Aufgaben, sondern Kernbestandteile eines modernen IT-Betriebs. Nur wer die Kontrolle über seine KI-Identitäten behält, kann die Früchte der Automatisierung ernten, ohne die Sicherheit des gesamten Unternehmens aufs Spiel zu setzen.


DIGITALBÜRO LIMBURG – Agentic AI bietet enorme Chancen, erfordert aber eine klare Governance und strikte Sicherheitsleitplanken, um nicht als riskantes Schattenprojekt zu enden – denn We make IT easy & smart. 🚀

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Weiterführende Quellen & Links

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